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Fetisch als Geschäftsmodell : Schweizer Onlineshop verkauft getragene Slips, Socken und gebrauchte Tampons Darum gehts «Es ist ein Fetisch, da spielen Alter oder Status keine Rolle» My 20 Minuten

Fetisch als Geschäftsmodell : Schweizer Onlineshop verkauft getragene Slips, Socken und gebrauchte Tampons Darum gehts «Es ist ein Fetisch, da spielen Alter oder Status keine Rolle» My 20 Minuten

Fetisch als Geschäftsmodell : Schweizer Onlineshop verkauft getragene Slips, Socken und gebrauchte Tampons Darum gehts «Es ist ein Fetisch, da spielen Alter oder Status keine Rolle» My 20 Minuten

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Auf einer Schweizer Plattform werden getragene Unterhosen, benutzte Tampons und Binden angeboten. Warum? «Durch Riechen und Schmecken erfahren wir Geborgenheit», so eine Sexologin.

von
Deborah Gonzalez
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Wer das Dschungelcamp auf RTL verfolgt, weiss, wie viel Geld man damit verdienen kann, gebrauchte Wäsche zu verkaufen. Denn die mittlerweile ausgeschiedene Teilnehmerin Tara Tabitha hat aus dem Nähkästchen geplaudert: Auf einer Plattform verkauft sie getragene Socken und Schuhe und verdient damit gar nicht mal so schlecht. Ein Business, das, wie sie selbst sagt, boomt.

Genauso sieht es auch die 32-jährige Lara* aus Zürich, die im Oktober letzten Jahres den ersten Schweizer Webshop Sububis gegründet hat. Auf der Onlineplattform verkaufen Frauen und Männer getragene Kleidungsstücke wie BHs, Slips, Boxershorts und Socken sowie benutzte Tampons und Binden.

«Beim Bezahlprozess war die Anonymität nicht gewährleistet»

«Es ist ein lukratives Geschäft, das sich hierzulande grosser Nachfrage erfreut. Immer wieder höre ich von Bekannten, die Anfragen auf Social Media erhalten, ob sie nicht ihre Unterwäsche verkaufen wollen», erzählt Lara. Das habe sie auf die Idee gebracht, das professionell anzubieten, sodass die Verkäufer*innen anonym bleiben können und nie in direktem Kontakt mit dem oder der Käufer*in stehen. «Beim Bezahlprozess war die Anonymität nicht gewährleistet und das hat viele abgeschreckt, obwohl sie dem Geschäft nicht grundsätzlich abgeneigt sind», erklärt sie.

Eine Freundin habe der 32-Jährigen erzählt, dass sie nach dem Verkauf via Instagram vom Käufer gestalkt wurde. Das habe ihr dermassen Angst gemacht, dass sie de Verkauf stoppte. «Da dachte ich mir, dass man das doch besser und seriöser lösen kann», sagt Lara. Das Ziel soll der Schutz beider Parteien sein – sowohl Verkäufer*in als auch Käufer*in sollen anonym bleiben können. So sei Sububis entstanden.

«Die Nachfrage nach Binden und Tampons ist da»

Bei Sububis, das auf lateinisch Unterwäsche bedeutet, werden alle Bestellung über Lara abgewickelt. Die Verkäuferinnen kommen somit nicht mit den Käufern in Kontakt. Selbst verkaufen möchte sie aber nicht: «Das wäre mir zu intim, zu nah. Ich will mich klar abgrenzen. Wenn ich wüsste, wer meine Kleider bekommen würde, hätte ich das Gefühl, zu viel von mir preiszugeben.»

Insgesamt sieben Frauen und Männer verkaufen ihre getragene Wäsche auf der Plattform, die seit Oktober 2021 online ist. «Es läuft sehr gut. Wir haben mehrere Bestellungen pro Tag, ich bin schon dabei, neue Subabes zu rekrutieren», sagt Lara.

Am besten verkaufen sich Höschen und Socken. Unterhosen kosten auf der Plattform 79 Franken, getragene Socken bekommt man für 29 Franken. Bis jetzt habe der Webshop nur männliche Käufer. Ein Kunde bestelle meist mehrere Produkte auf einmal, wie die 32-Jährige erzählt. Die Nachfrage nach einem grösseren Portfolio, etwa nach getragenen Binden und Tampons sei auch da. «Ganz neu ist der Natursekt, also Urin – das wünschen sich auch viele unserer Kund*innen. Dazu sind natürlich nicht alle Subabes bereit, aber einige schon – sie können das frei entscheiden.»

«Ich wollte wissen, wie das ist und wie es sich anfühlt»

Die 43-jährige Clara* verkauft ihre getragene Wäsche seit drei Monaten auf der Plattform. «Für mich ist das ein richtiges Abenteuer. Ich wollte das unbedingt ausprobieren und habe grosse Freude daran», sagt sie. In erster Linie sei es die Neugier gewesen, die sie dazu bewogen hatte, Kontakt mit Lara aufzunehmen. «Ich wollte wissen, wie das ist und wie es sich anfühlt», erklärt die Österreicherin.

Wichtig sei ihr, dass sie keinen direkten Kontakt mit der Kundschaft hat und der Mehraufwand so klein wie möglich bleibt. Das habe ihr Lara mit ihrer Plattform geben können. Dort habe Clara sich in den letzten Monaten 600 Franken dazuverdient. «Das ist ein sehr guter Nebenverdienst. Ich muss nichts tun, was ich nicht auch sonst tun würde.» Es fühle sich auch nicht komisch an: «Verwerflicher finde ich es, wenn mich jemand in der Badi anschaut und Fantasien hat!»

«Sobald ich die Unterwäsche ausziehe, ist es für mich abgeschlossen»

Zu wissen, dass jemand ihre Wäsche bestellt, erregt Clara indes nicht: «Es ist ein Job. Jemand bestellt etwas und ich erfülle mein Soll – damit ist es getan. Sobald ich die Unterwäsche ausziehe, ist es für mich abgeschlossen.» Was danach passiert, sei ihr egal.

Ihren Nebenjob hängt die IT-Frau trotzdem nicht an die grosse Glocke. Zwar schäme sie sich nicht, doch überall herumerzählen, wolle sie es trotzdem noch nicht. «Wenn es weiterhin so läuft, werde ich das sicher tun. Mal schauen, was da noch alles kommt!»

*Namen sind der Redaktion bekannt.

Frau Schiftan, getragene Wäsche zu verkaufen, scheint kein Tabu mehr zu sein.

Ein Tabu vielleicht nicht mehr, aber ich glaube trotzdem nicht, dass das Thema in der Gesellschaft angekommen ist. Dass im Dschungelcamp zur Primetime darüber gesprochen wird, hilft jedoch sicher dabei. Eigentlich ist es gar nichts Neues: In alten Romanzen – egal, ob in der Literatur oder im Film, ging es statt um Wäsche «nur» um das Taschentuch – das Bedürfnis, Gegenstände der Begehrten zu haben, war schon immer da. Durch Riechen und Schmecken Nähe und Geborgenheit zu erfahren, ist etwas sehr Menschliches, ein menschliches Bedürfnis. Wer einen entsprechenden Fetisch hat, kombiniert diese Sinneseindrücke mit sexueller Erregung.

Wer sind die Menschen, die getragene Wäsche anbieten?

Das kann man nicht sagen. Klar ist aber: Für die Mehrheit käme das nicht infrage, weil es doch sehr persönlich und der «eigene Alltag» darauf zu riechen ist – der Käufer oder die Käuferin kommt einem sehr nah.

Und wer sind die Menschen, die getragene Wäsche kaufen?

Man kann das nicht pauschal sagen. Es kann ein 17-Jähriger sein, der zum ersten Mal in irgendeiner Form Kontakt mit einer Frau haben möchte, es kann aber auch ein 50-jähriger Single sein, der irgendwie Nähe möchte. Es ist ein Fetisch, da spielen Alter oder Status keine Rolle, da fliessen ganz viele Faktoren mit rein.

Auf der Website werden auch getragene Binden und Tampons angeboten.

Es kommt nicht darauf an, was verkauft wird. Letztendlich geht es nur um die Vermarktung, denn es gibt eine fetischisierte Nachfrage nach fast allem. Es gibt ja auch Menschen, die den Eiffelturm heiraten wollen. Potenziell kann man also alles erotisieren und damit Geld machen. Aber es ist verständlich, dass es auf Aussenstehende sehr befremdend wirkt, wenn man das selbst nicht so kennt oder einem solche Fetische fremd sind.

Welche Risiken birgt der Verkauf der eigenen getragenen Wäsche?

Bevor man seine getragene Wäsche verkauft oder in das Business einsteigt, muss man es sich gut überlegen. Man verkauft etwas von sich und dessen muss man sich bewusst sein – nicht alle würden damit klarkommen. Und es muss natürlich technisch funktionieren, denn ich empfehle, dass alles anonym bleibt. Es gibt immer Leute, die Realität und Wunschvorstellung nicht unterscheiden können und auf komische Ideen kommen. Darum sollte zum Beispiel die Adresse der Verkäuferin oder des Verkäufers anonym bleiben.

Nationalrätin Meret Schneider wurde immer wieder von einer Person belästigt, die ihre getragene Unterwäsche wollte.

Jemand Fremdes danach zu fragen, der das nicht anbietet – das geht natürlich gar nicht. Das ist eine klare Grenzüberschreitung. Nur weil man in der Öffentlichkeit steht, heisst das nicht, dass alles erlaubt ist. Ich empfehle, nur danach zu fragen, wenn die andere Person eine solche Dienstleistung auch anbietet, wie zum Beispiel auf einer Website.

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