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RNZ-Lauftraining: Von fehlender Motivation und Selbstüberschätzung - Wiesloch - RNZ

RNZ-Lauftraining: Von fehlender Motivation und Selbstüberschätzung - Wiesloch - RNZ

RNZ-Lauftraining: Von fehlender Motivation und Selbstüberschätzung - Wiesloch - RNZ

Wiesloch. (stoy) Prasselnder Regen begrüßt uns pünktlich zum ersten Trainingstag bei der TSG Wiesloch. Zwölf Wochen lang treffen sich ab jetzt insgesamt 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und trainieren gemeinsam für den Wieslocher Stadtlauf. Mit dabei sind auch mein Kollege Tobias Törkott und ich, Sophia Stoye.

Denn für die RNZ werden wir Ende April an den Start der Zehn-Kilometer-Runde beim Wieslocher Stadtlauf gehen. Jeden Dienstag- und Donnerstagabend scheuchen uns ab jetzt die TSG-Trainerinnen Birgit Winkler, Gabriele Bräunling und Ruth Weimer über die Laufbahn und zeigen uns, wie wir uns am besten vorbereiten können. Doch der Anfang verläuft holprig. Teil eins des RNZ-Lauftagebuchs:

> Erstes Mal Lauftraining: Da Tobias direkt zum Auftakt des Lauftrainings das Coronavirus erwischt hat, zwinge ich mich am Dienstagabend vom Auto raus in den Regen auf die nasse Laufbahn des Wieslocher Stadions. Meine Motivation: gleich null. Ein kurzer Blick in die Teilnehmerrunde reicht, um zu erkennen, dass es den anderen genauso geht.

Froh, dem Regen zu entkommen, erklären uns die Trainerinnen alles Organisatorische erst einmal drinnen, im Trockenen. Doch die Freude währt nicht lange: Nach ein paar Stabilisationsübungen geht es gleich wieder auf den Sportplatz. Wir lernen den Klassiker unter den Lauf-Übungen kennen: das Lauf-ABC. "Auch Marathonläufer machen das noch", erklärt Trainerin Gabriele. Wir beginnen mit Kniehebelauf, gehen über zum Anfersen und enden mit "Skippings". Auch wenn sich meine Lunge zwischendurch schon bemerkbar macht, verläuft der Rest des Trainings relativ entspannt. Während unserer Runden im Stadion bilden sich Gruppen, einige Teilnehmer scheinen sich bereits zu kennen. Die meisten von ihnen, so mein Eindruck, sind Freizeitläufer, die "einfach mal wieder in die Pötte kommen" wollen, wie es mir eine Teilnehmerin erzählt.

Oft hat sie der Winter oder Job ausgebremst – oder es mangelt am geeigneten Trainingspartner. Am Ende kommen etwa vier Kilometer und alle Teilnehmer zum Dehnen zusammen – erleichtert, die erste Trainingseinheit im Regen überstanden zu haben.

> Etwas überschätzt: Nachdem das Training am Donnerstag nicht nur hinsichtlich des Wetters besser als das erste Mal war, steht am Wochenende meine erste "Hausaufgabe" des Lauftrainings an: Vier Mal acht Minuten laufen, dazwischen wieder eine Minute lang gehen. Um mich mal zu testen, lasse ich die Gehpause weg und laufe am Stück.

Innerhalb von 40 Minuten schaffe ich sechs Kilometer, doch schon nach dem ersten Kilometer wird mein Atem immer schwerer. Ab Kilometer fünf schmerzt plötzlich die linke Schulter – ich versuche, so wenig Strecke wie möglich zurückzulegen, um schnell nach Hause zu kommen.

So laufe ich trotz Wintersonne lieber auf der rechten Seite des Gehwegs ohne Schatten, um nicht nochmals die Straße überqueren zu müssen. Von meinem Ziel, die letzten 350 Meter zu rennen, packe ich nur ein Drittel: Immerhin bleibt so mehr Zeit zum Auslaufen.

Update: Dienstag, 8. Februar 2022, 6 Uhr


Ab heute 12 Wochen im Training für den Stadtlauf

RNZ-Lauftraining: Von fehlender Motivation und Selbstüberschätzung - Wiesloch - RNZ

Von Sophia Stoye und Tobias Törkott

Wiesloch. Zwei Jahre in Folge wurde der Wieslocher Stadtlauf abgesagt. Die Zehn-Kilometer-Strecke durch Dämmelwald und Stadtgebiet zählt zu den sportlichen Höhepunkten der Weinstadt. 2022 soll nach Corona-Zwangspause wieder gelaufen, gerannt oder gegangen werden. Bei dem Lauf Ende April wollen zwei Redaktionsmitglieder der RNZ aus Wiesloch an den Start gehen. Was sich Sophia Stoye und Tobias Törkott dabei gedacht haben? Ja, das wissen sie selbst nicht. Ehrgeiz? Die klassische Frühjahrssportmotivation? Oder einfach nur eine Anzeige der TSG Wiesloch in einer der vergangenen Ausgaben der RNZ.

Denn die Leichtathletik-Abteilung des größten Sportvereins der Stadt bietet ab dem heutigen Dienstag ein zwölfwöchiges Lauftraining an. Zwei Mal pro Woche schlüpfen die Freizeit-Athletinnen und -Athleten im Stadion in ihre Laufschuhe. Dazu gibt es Hausarbeiten, umso fit wie nur möglich auf die Zehn-Kilometer-Strecke zu gehen. "Beim ersten Mal sind es noch keine zehn Kilometer", verspricht Marion Brasse, Abteilungsleiterin Leichtathletik. Im Verlauf der Einheiten wird auch ein Fünf-Kilometer-Lauf auf dem Programm stehen, um das richtige Wettkampfgefühl zu bekommen. Mit der Zeit werden die Läufe dann immer länger.

Für die bestmögliche Vorbereitung sorgen die lizenzierten Lauftrainerinnen der TSG: Ruth Weimer, Birgit Winkler und Gabrielle Bräunling, alle selbst aktive Läuferinnen. "Da ist Know-how vorhanden", so Brasse. Auch Yoga- und Stabilisationsübungen oder das Lauf-ABC mit verschiedenen Aufgaben stehen auf dem Trainingsplan. Manch eine Teilnehmerin oder manch ein Teilnehmer hatte bereits am Lauftreff teilgenommen. "Gewisse Vorkenntnisse sollten schon dabei sein", sagt Brasse. 20 bis 30 Minuten am Stück laufen – wenn auch im eigenen Tempo – gelten als Voraussetzung für die Teilnahme. Auch wichtig ist die richtige Auswahl der Schuhe. "Wenn die nicht passen, macht es keinen Spaß", prophezeit die Abteilungsleiterin.

Und was denkt sie über die Teilnahme der beiden RNZ-Redaktionsmitglieder? Die hatten im Vorfeld angemerkt, dass sie nicht absolut unsportlich, aber auf gar keinen Fall trainiert sind. Reicht es, ab und an ins Fitnessstudio zu gehen oder unterklassig Fußball zu spielen? "Ja, das reicht. Angst haben muss keiner", ist Brasse optimistisch.

Die Ziele von Stoye und Törkott sind jedenfalls hoch. Ob sie diese erfüllen werden und wie sie sich schlagen, lesen Sie in Ihrer RNZ.

> Tobias Törkott (32 Jahre): Was ich mir dabei gedacht habe? Ja, das ist eine gute Frage. Die Idee war schnell geboren. Lauftraining klingt für mich zwar mehr nach Bestrafung, weil ich die Sinnhaftigkeit von Laufen ohne Ball nicht ganz nachvollziehen kann, aber gerade zu Jahresbeginn sind viele Leute besonders motiviert – so auch ich.

Vier Jahre habe ich großteils den Bürostuhl als Hauptsportgerät genutzt. Seit Sommer 2021 spiele ich bei mir in der Pfalz wieder Fußball, wenn auch sehr, sehr unterklassig. Aber die Geburt unseres Sohnes hat bei mir etwas ausgelöst: Du willst fitter werden, damit der Kleine auch was von dir hat, dachte ich mir damals. Gesagt, getan.

Allmählich wird es auch was, aber zehn Kilometer laufen? Das ist ambitioniert, zumal ich noch immer ein Anstandsbäuchlein vor mir her schiebe. Noch ambitionierter die Zeit: Unter einer Stunde, so meine Zielvorgabe. Mal schauen, ob ich nach wenigen Wochen sage werde: Hauptsache ankommen.

> Sophia Stoye (20 Jahre): Meine Lauferfahrung hält sich stark in Grenzen – und lässt sich schnell zusammenfassen: als Kind im Leichtathletik-Training angemeldet, aber nie hingegangen, mit 14 Jahren noch immer angemeldet und ein halbes Jahr lang im Lauftraining mitgemacht. Ein Freund hatte mich dazu überredet.

Wie schon beim St. Leon-Roter Frühlingslauf, bei dem alle Kinder in der Grundschule immer mitlaufen mussten, war ich im Lauftraining mit Abstand die schlechteste: Während alle anderen locker die vier Kilometer zum Aufwärmen liefen, begleitete mich der Trainer aus Mitleid auf meiner Zwei-Kilometer-Runde.

Nach ein paar Jahren Pause fand ich plötzlich vor gut zwei Jahren meinen Spaß an dem Sport, den ich bis dahin für langweilig hielt. Bisher konnte ich die Zehn-Kilometer-Marke noch nicht knacken und meine Motivation hielt sich nur saisonweise. Aber ausgestattet mit neuen Laufschuhen und dem richtigen Training ändert sich das mit Sicherheit bald.

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